Scolari warnt vor deutschen "Riesen"
Luiz Felipe Scolari holte einen Zettel aus seiner Tasche, warf einen Blick darauf und las den Journalisten dann vor: "Deutschlands Nummer 17 – 1,98 Meter; Nummer 13 – 1,88 Meter; Klose – 1,82 Meter; Nummer 21 – 1,95 Meter. Darüber muss ich mir Sorgen machen, meine Spieler sind nur 1,15 bis 1,20 Meter groß." Auch wenn die anwesenden Journalisten die Aussage des Brasilianers ausgesprochen komisch fanden, steckt natürlich für die Portugiesen in den Größenunterschieden in der Tat eine große Gefahr.
In der Luft unterlegen
Scolari drückte es so aus: "Ich muss schauen, wie wir bei ihren Freistößen die Zuweisung machen", sagte der Brasilianer, dessen Spieler bei der vermutlichen Startaufstellung im Schnitt sieben Zentimeter kleiner sind als die Deutschen. Und Scolari warnte auch vor einem Spieler, den er bei Chelsea FC bald selbst trainieren wird. "Er ist ein toller Spieler und hat eine gute Technik. Er ist einer der besten Spieler dieses Turniers", sagte er über DFB-Kapitän Michael Ballack, der gegen Österreich am Montag das wichtige 1:0 geschossen hatte.
Löw gesperrt
Als Scolari mit Brasilien das FIFA-Weltmeisterschafts-Finale 2002 mit 2:0 gegen Deutschland gewann, war Ballack gesperrt. Dieses Mal ist der "Capitano" zwar dabei, dafür fehlt aber Trainer Joachim Löw, der die Begegnung nach seiner Verbannung auf die Tribüne beim Österreich-Spiel erneut von den Rängen aus beobachten muss. Löws Co-Trainer Hans-Dieter Flick und Torwarttrainer Andreas Köpke werden dafür in die Bresche springen. Teammanager Oliver Bierhoff sagte: "Trainer verhalten sich während des Spiels nach ihren Eingebungen und das wird ihm nicht möglich sein, deshalb muss er die Dinge vor dem Spiel perfekt vorbereiten." Dabei geht es sicher auch darum, wie Deutschland Cristiano Ronaldo ausschalten will. "Der beste Spieler der Welt", sagte Bierhoff schlicht über den Ausnahmekönner und fügte hinzu: "Man kann ihn nicht 90 Minuten ausschalten, aber es ist sehr wichtig, dass die Defensive und das Mittelfeld eng zusammenstehen, wenn er den Ball hat." Scolari unterstrich unterdessen die Bedeutung von Ronaldo für seine Mannschaft. "Er hat einen starken Siegeswillen, den ich so selten bei einem Spieler gesehen habe."
Angeschlagene Spieler
Deutschland kann wieder auf Bastian Schweinsteiger zurückgreifen, der nach seiner Sperre erstmals von Anfang an agieren und entweder Clemens Fritz im rechten Mittelfeld ersetzen wird oder links für Lukas Podolski in die Bresche springt. Der muss entweder wegen einer Wadenverletzung passen oder soll vorne neben Miroslav Klose in den Angriff rücken. Auch Torsten Frings ist angeschlagen. Er hat sich gegen Österreich eine Rippe gebrochen. Bierhoff sagte aber, dass der Mittelfeldspieler von Werder Bremen zuversichtlich sei. Im Falle des Falles stünde aber Thomas Hitzlsperger als Ersatz bereit. Die deutschen Fans werden sich noch mit Grausen an das WM-Halbfinale gegen Italien vor zwei Jahren erinnern, das ihre Mannschaft ohne den gesperrten Frings mit 0:2 verlor und deshalb auf einen Einsatz des Sechsers hoffen. Scolari wird hingegen mit der gleichen Mannschaft spielen, die auch gegen die Türkei und die Tschechische Republik gewonnen hat. Bei der 0:2-Pleite gegen die Schweiz hatte Portugals Trainer einige Stammspieler geschont, weshalb er nun mit frischen Kräften Portugals drittes EURO-Halbfinale in Folge erreichen will. "Wir versuchen, uns im Abschluss zu verbessern, wenn wir das schaffen, haben wir eine gute Chance." Was Scolari sicher auch weiß, aber nicht sagte, sprach Bierhoff aus: "Deutschland wird oft besser, wenn es gegen gute Mannschaften geht."
Quelle. uefa.com