Insolvenzverfahren wird eröffnet
Nordhorn nicht mehr zu retten
Im vergangenen Jahr feierte Nordhorn noch den Gewinn des EHF-Cup, nun ist der tiefe Fall der HSG besiegelt. Am Montag wird das zuständige Amtsgericht das Insolvenzverfahren gegen den Verein eröffnen. Damit steht der Bundesligist als Zwangsabsteiger fest. "Ich bin von Nordhorn über den Schritt informiert worden. Das trifft uns hart", sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann dem sid und bestätigte damit entsprechende Berichte des Kölner Express und der Welt.
"Grund sind die Zahlungsunfähigkeit und die Überschuldung. Die Deckungslücke ist zu hoch, als dass sie bis zum Stichtag 30. April hätte geschlossen werden können", erklärte der vorläufige Insolvenzverwalter Ulrich Zerrath den Schritt gegenüber den "Grafschafter Nachrichten". Die HSG wird die Saison auf jeden Fall zu Ende spielen.
Trotz der Bereitschaft der Spieler auf Gehaltsverzicht und trotz der vielen positiven Gespräche mit Politik und Wirtschaft sowie dem starken Engagement der Fanklubs lässt sich das Fortführen der Gesellschaft nicht realisieren. Erklärung der HSG Nordhorn-Lingen auf der vereinseigenen Internetseite
Nordhorn ist damit der zweite Zwangsabsteiger nach TuSEM Essen. Bei den Essenern wurde ebenfalls ein Insolvenzverfahren eröffnet. "Der 17. und der 18. der Tabelle steigen aber auf jeden Fall ab", meinte Bohmann. Daher würde zurzeit auch der Stralsunder HV den Gang in die 2. Liga antreten müssen. Die beiden Zweitplatzierten der 2. Ligen Nord und Süd würden dann im direkten Aufeinandertreffen den dritten Aufsteiger ermitteln, ohne dass ein Relegationsspiel gegen den Drittletzten der Bundesliga nötig werden würde.
Zusätzlich kritisierte Bohmann die Misswirtschaft in Nordhorn: "Sie haben über ihre Verhältnisse gelebt", stellte Bohmann fest. Auch der Verkauf einiger Leistungsträger brachte nicht die erhoffte Rettung. Holger Glandorf wechselte nach Lemgo, zuvor hatte Erlend Mamelund die Grafschafter in Richtung Flensburg verlassen. Peter Kukucka schloss sich den Kadetten Schaffhausen/Schweiz an. Auch der Abgang von Bjarte Myrhol zu den Löwen stand bereits fest. "Die Liga und der Handball haben ein großes wirtschaftliches Wachstum hinter sich, mit der Entwicklung haben nicht alle mithalten können", analysierte Bohmann weiter. Für den deutschen Handball der nächste schwere Schlag nach der Insolvenz der Essener und den Manipulationsgerüchten um den THW Kiel. "Es ist eine kritische Situation", gestand Bohmann ein.
Den Nordhornern wurden bereits im Laufe der Saison wegen Verstoßes gegen Lizenzauflagen vier Punkte abgezogen. Nun hofft man auf einen Neuanfang. Dieter Barlage, Mitglied des Verwaltungsrats erklärte auf der Internetseite: "Die klare Zielvorgabe ist der Wiederaufstieg."
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