Alter spielt keine Rolle, Geschlecht auch nicht.Geht um Kompetenz. Darüber kann man natürlich auch im Einzelfall personenbezogen immer diskutieren - aber wie gesagt unabhängig von Geschlecht oder Alter bitte.
"Fehlende Diversität" ist aktuell nicht das Hauptproblem im deutschen Fußball.
Welche Kompetenz soll denn das sein und wer von uns soll denn greifbar definieren, welche Kompetenzen es erfordert, um einen Fußballverband neu aufzustellen?
Einen Fußballverband neu aufzustellen heißt doch: Gute Leute für Führungsrollen finden, eine clevere Aufteilung von Kompetenzen vornehmen, funktionierende Berichtslinien und Prozesse vorbereiten, Prioritäten für die Ressourcenverteilung und die Agenda der kommenden Jahre definieren, und das dann alles öffentlich so verkaufen, dass es Optimismus erzeugt. Die eigentlich Arbeit dazu werden die Ebenen unterhalb erledigen (im DFB wird's ja noch eine Arbeitsgruppe auf Generalsekretärinnen-/Geschäftsführer-Ebene geben, und die haben ja auch nochmal operative Mitarbeiter).
Auf der Ebene einer Expertenkommission wird doch nicht darüber verhandelt, ob die Jugendteams künftig Viererkette lernen. Um diesen Prozess zu führen könntest du also theoretisch auch eine Gruppe von Leuten mit Wirtschaftserfahrung oder Politikerfahrung auf hoher Ebene nehmen. Was die Rummenigges und Watzkes mitbringen und was sie sicherlich eher unersetzbar macht sind die Möglichkeiten die sie haben, innerhalb der Fußballbranche sowie in der breiten Öffentlichkeit eine Akzeptanz für die Pläne zu schaffen. Das basiert auf ihrer Reputation und die speist sich aus ihrer Erfahrung, aus der Verbindung zu ihren Clubs und aus der öffentlichen Wahrnehmung ihrer Personen. Die Reputation wiederum könntest du jetzt nicht dadurch ersetzen, dass du kompetente Externe dahin setzst.
Insofern ist es schon richtig, da nicht komplett neue Leute hinzusetzen, die im Fußball nicht vernetzt sind - jetzt die alten Hasen dort sitzen zu haben sorgt einfach für Ruhe, weil sich erstmal viele Kritiker zurückziehen. Man dürfte von den alten Hasen aber auch erwarten, dass sie diese Machtposition nutzen, um vielleicht neue Köpfe dazu zu holen und die inhaltliche Führung um ein paar neue Perspektiven und Gedanken zu bereichern. Genau das passiert nicht. Jetzt haben die sich gerade konstituiert und mal schauen, was da noch kommt, aber die Gewählten sind als Machtmenschen bekannt und es ist zu vermuten, dass sie sich auch weiter so verhalten werden. Das bisher Gemachte führt zu nix und als Reaktion darauf lässt man diejenigen weiter führen, die es bisher gemacht haben.
Ich meine, es war Almuth Schult die richtigerweise darauf hinwies, dass dieses Gremium in erster Linie so besetzt wurde, um den DFB zu schützen. Bei künftigen Misserfolgen sind die großen Clubs und führenden Köpfe mitgehangen und mitgefangen. Das ist ein politisch nachvollziehbarer Move, reflektiert aber auch die aktuelle Schwäche des DFB: Der Verband ist so diskreditiert, dass er es sportpolitisch und medial gar nicht durchsetzen könnte, irgendeine kreative Lösung für die Führung zu präsentieren. Und die Führungspersonen die er reinholt sind so alt und hintendran, dass ihnen nix Interessanteres einfällt als "das ist jetzt Chefsache". Das ist der Punkt, der traurig ist, der mit "fehlender Diversität" gemeint ist, und der einem keine Hoffnung gibt, dass sich der DFB in seinem Eigenverständnis, seiner Außendarstellung oder seinen Arbeitsergebnissen irgendwo verbessern wird.
Vielleicht also die Kritik mal nicht nur reduzieren auf "jetzt will uns die Woke-Bubble wieder ne Frau vorsetzen".