Wegen mir kann ein Minister gerne jeden Tag in Talkshows sitzen. Das wird oft so dargestellt, als ließe der sich da hofieren und bewirten und würde dann die Zeit von seinem Gleitzeitkonto abziehen, um seine richtige Arbeit zu umgehen.
Wir können ja mal gemeinsam auf das Organigramm des BMG schauen, wurde jetzt gerade wieder aktualisiert. Da sind wirklich in jeder Abteilung genügend Leute, auch auf Leiter-Ebene, um sicherzugehen, dass das Amt weiterarbeiten kann, auch wenn der Minister gerade im Fernsehen sitzt. Solange der Minister eine klare Linie vorgeben kann und in der Lage ist, Leute so zu befähigen, dass sie sie umgesetzt bekommen, solange läuft der Laden. Die meistens Firmen werden auch nicht dadurch besser, dass der Chef im Büro rumläuft und den Angestellten über die Schulter guckt. Ganz nebenbei: In diesem Fall hat der "Chef" ja noch einen Kanzler, mit dem er sich abstimmen muss und einen Bundestag, der ihm im Nacken sitzt - das dürfte auch noch etwas Zeit und Mühe in Anspruch nehmen.
Und zu den Talkshowauftritten nochmal: Früher konnte man vielleicht noch unterstellen, dass er es sich damit leicht gemacht hat und Arbeitszeit mit Eigen-Promo verbracht hat (auch wenn nie klar war, welche anderen MdB-Aufgaben er deshalb vernachlässigt hat). Aber jetzt, als Minister? Sind das jetzt lockere Plauderrunden? Er muss da Botschaften unterbringen und die möglichst klar erklären. Er muss auch auf Nachfragen bei seiner Linie bleiben, muss aber trotzdem nachvollziehbar rüberkommen und kann nicht einfach seine Phrasen wiederholen. Die Moderatoren haben - zurecht - auch den Anspruch, Fragen zu stellen, die anderen Gäste haben ihre eigenen Fragen geplant. Auch die muss man so parieren, dass keine Zweifel in der Bevölkerung aufkommen. Das ist purer Stress!
Das darf man alles von einem Minister erwarten, kein Sonderlob - aber es ist doch eben stressig und nicht Urlaub auf der Studiocouch, so wie es häufig unterstellt wird.