Ich fand persönlich den Essay von Sascha Lobo zumindest mal überlegenswert:
Im klopapiergefüllten Neun-Zimmer-Stuckaltbau lässt sich eine Ausgangssperre viel leichter ertragen als alleinerziehend mit zwei kleinen Kindern in der Einzimmerwohnung.
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Die Verkäuferin im Einzelhandel hat gefälligst acht Stunden unterbezahlt an der Kasse zu sitzen und sich von barschen Kunden anhusten zu lassen - aber mit ihrem Kind eine halbe Stunde im Park zu verbringen, damit sie nicht durchdreht, das ist unverantwortlich! Ruft man ihr mit dem Lieferprosecco in der Hand in der Netflix-Pause vom Balkon aus zu, Hashtag #staythefuckhome.
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Solchen Leuten giftige Vorwürfe zu machen, weil sie die Anordnung zur Kneipenschließung zwiespältig sehen - das geht leicht, wenn man soeben Microsoft Teams runtergeladen hat und die nächsten acht Wochen für Homeoffice sein Gehalt weitergezahlt bekommt.
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Bei uns ist es Zoom statt MS Teams, ansonsten find' ich mich da aber wieder. Bei uns in der Firma tauschen sich die Kollegen in meinem Alter auch schon drüber aus wer alles noch was von Rewe geliefert bekommen hat ("Dann kann ich mir auch die dämlichen Schlangen sparen") und von anderen Supermärkten habe ich bei uns unten Dienste liefern sehen, die ich vorher gar nicht kannte. Man nimmt bestimmt kaum einem Senioren die Lieferkapazität weg...aber solidarisch find' ich das jetzt auch nicht. Anderes Beispiel: Bei uns unten im Hof haben sie einen Spielplatz mit Flatterband abgesperrt - daneben spielen jetzt die gleichen Kinder wie immer so, wie sie die ganzen Sommerferien über gespielt haben. Kann ich mich drüber aufregen...kann ich aber auch nicht so ganz einschätzen, oder?
Hier in diesem Thread ist ja viel Vernunft unterwegs und hier wurden ja viele Beispiele für Leute genannt, die definitiv nicht unter "denk mal drüber nach ob's denen nicht vielleicht auch schlecht geht" fallen. Aber jetzt wo es wirklich fast alle gecheckt haben kann ist es schon angebracht drüber nachzudenken welche Umstände die Leute dazu treiben, sich der Bitte zu widersetzen. Da wird die Antwort nicht immer lauten "Ist halt'n Arschloch."