Alles anzeigenOffenbar gibt es eine große Dynamik in der Frage, was die Gesellschaft spaltet. Vor fünf Tagen gab es hier in diesem Thread einen regen Austausch rund um das Thema und ich habe ehrlich gesagt keine Stimme vernommen, die den vermeintlichen Riss anhand der Frage „Pro oder contra Lockdown“ verortet hat.
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die vermeintliche Spaltung der Gesellschaft neuerdings immer dann ins Feld geführt wird, wenn Maßnahmen bei der Pandemiebekämpfung ergriffen werden, die man selbst nicht gutheißt.
Dieses Motiv zieht sich durch sämtliche Schritte der einschneidenden staatlichen Einschränkungen: Maskenpflicht spaltet, Testpflicht spaltet, 3G spaltet, Impflicht spaltet und neuerdings verläuft der Spalt entlang der Frage „Pro oder contra Lockdown“.
Das sind aber doch alles Fragen, die ein sehr komplex sind und auf die es oftmals keine einfachen Antworten gibt. Genau diese liefern aber alternative und boulevardeske Medien im Einklang mit populistischen Parteien, Querdenkern, Reichbürgern. Hier wird das Narrativ der Spaltung der Gesellschaft aufgebaut und am köcheln gehalten: „eines Tages werden die Gerichte die ganzen Maßnahmen kippen“, „die Staatsmedien lügen, man darf denen nicht trauen“, „Politiker sind alle korrupt“, „leistet Widerstand“, „die Impfung wirkt nicht“ usw.
Ich glaube, hier tummeln sich die Leute aus deiner Gruppe der „Politik/Medien Nicht-Folgenden“.Hier trifft Misstrauen der Medienlandschaft auf ein Gefühl, von der Politik ständig enttäuscht zu werden und die wissenschaftsferne Meinungsmache. Hier entsteht eine große Schnittmenge zu Masken-, Test- und Impfgegnern.
Deren Agenda hat nur leider einen großen Teil dazu beigetragen, dass die Situation so beschissen ist, wie sie ist. Die – meinetwegen im Einzelfall auch nachvollziehbare – Weigerung, den Maßnahmen Folge zu leisten, macht doch (weltweit) wiederholt eine Verschärfung der Maßnahmen notwendig. Niemand steht doch morgens auf und denkt sich, „das Beste für uns alle ist ein Lockdown“ oder „wie geil, endlich eine Impfpflicht“. Diese Zwangsmaßnahmen sind doch nicht zuletzt das Resultat des Verhaltens der Menschen.Ja, wir befinden uns in meinen Augen (mindestens) in einer nationalen Krise und sicherlich ist ein massiver Vertrauensverlust einer großen Zahl von Mensch in Staat, Politik und Medien zu beklagen. Aber wir haben in diesem Land in meinen Augen keine Staatskrise, weil die Gesellschaft so gespalten wird durch die Medien und Politik. Natürlich hat „die Politik“ viele Fehler gemacht und Vertrauen verspielt.
Die CDU wurde u. a. auch dafür abgewählt, denn unsere Demokratie ist intakt:wir hatten neulich freie und abhängige Wahlen inklusive Regierungswechsel, das Verfassungsgericht hat die Maßnahmen unter die Lupe genommen, Bund und Land sind so eng im Austausch wie ich es zuvor nie erlebt habe, wir haben eine weit reichende Pressefreiheit.
Die Menschen haben die Parteien gewählt, die sich wahrscheinlich nunmehr gezwungen sehen, einen Lockdown zu verhängen. Das gilt es dann wohl zu akzeptieren, auch wenn du offenbar ganz besondere Menschen kennst.Im Übrigen erlebe ich täglich, wie zerrissen und divers das Meinungsbild bezüglich Masken, Lernen auf Distanz, Impfen usw. im Mikrokosmos Schule ist. Auch hier sind gremiengetragene Beschlüsse und Mehrheiten zu beachten und gemäß den Zielen der gewählten Landesregierung zu treffen und zu befolgen; auch wenn man das anders sieht.
Und ja, ich bin auch genervt von den Masken und den Einschränkungen. Aber mein Zorn richtet sich primär gegen diejenigen, die der großen Mehrheit im Land das Leben unnötig erschweren, die nicht Teil des großen Konsens sein wollen.Damit meine ich natürlich nicht dich.
In meinen Augen braucht es da mehr „Staatsräson“ im Sinne der Achtung von Mehrheitsbeschlüssen als Hedonismus mit dem Ziel der maximalen individuellen Freiheit.
Guter Post Zumsel! Stimme überwiegend zu.
Bei zwei Punkten machst Du es Dir aber u.U. ein wenig zu einfach:
1. Du kritisierst dass die Spinnerbande der Queerdenker einfache Antworten auf die komplexe Situation liefert und damit zur Spaltung beiträgt.
D'accord - aber macht das nicht auch genau die potentielle Gegenseite seit Monaten?!
No Covid, Lockdown-verlangende Politiker, Team Lauterbach (erinnert sei nur an seine falschen Vorhersagen zu angeblichen Mega-Spreader-Events bei denen sich zehntausende anstecken..."UEFA für die Toten verantwortlich") etc. Auch da finde ich die Antworten oftmals viel zu plump, einfach und populistisch.
2. Du sagst, dass die CDU auch wegen der Corona-Politik abgewählt wurde.
Auch wenn das von Dir noch mit "u. a. auch" eingeschränkt wird, bezweifel ich dass die Corona-Strategien der Parteien einen Einfluss auf das Wahlergebnis hatten.
Mir kam es in diesem Recht langweiligen Wahlkampf eher so vor als ob das Thema von allen Parteien und medial gemieden wurde. Stattdessen Klima, Klima,Klima.
Bestätigt hat mich in der Retrospektive der Wahlomat:
Corona war bei 38 Thesen einmal dran und dann noch Recht schwierig für die Allgemeinheit zu beurteilen ("Impfstoffe sollen weiterhin durch Patente geschützt werden").
Genauso oft übrigens wie die bewegenden und überlebenswichtigen Fragen nach dem Kopftuch bei Beamtinnen, einer gendergerechten Sprache in Gesetzestexten oder der Parität bei politischen Listen.
Erst nach der Wahl kam Covid wieder als Thema Nummer eins durch. Politisch und medial. So zumindest mein Eindruck.