Analysten der Bremer Landesbank zu Goldman Sachs (15.07.):
ZitatFür eine Bank, die vor wenigen Atemzügen noch den Status einer Investmentbank habe aufgeben müssen, um zu überleben und die sich den Armen der Staatsunterstützung zunächst nicht habe entziehen können, stelle dieses Ergebnis fraglos einen Quantensprung dar. Für eine Bank, die ohne das "Bailout" von AIG voraussichtlich existentiell bedroht wäre, sei dieses Ergebnis spektakulär, weil dieses Ergebnis nur möglich gewesen sei, indem zusätzliche Risiken eingegangen worden seien.
Mit anderen Worten sei systemisches Risiko aggressiv gekauft worden, obwohl man kurz zuvor genau an diesem Risiko nahezu gescheitert wäre. Das werfe mehr Fragen auf, als dass dieses Ergebnis Antworten geben könne. Andere Banken, beispielsweise Morgan Stanley, hätten systemisches Risiko eingedämmt, was bezüglich einer natürlich ausgeprägten Risikoaversion in der schwersten Finanzkrise seit 1929 auch fraglos rational sei. Sei das Verhalten von Goldman Sachs damit aber irrational gewesen?
Die Ausprägung der Risikoneigung, die hier bei Goldman Sachs erkennbar sei, müsse entweder als eine Negierung der jüngsten Erfahrungswerte und damit einer Spielermentalität verstanden werden oder aber sei Ausfluss der Position, die Goldman Sachs im Bereich der internationalen Zentralbanken und der Politik spiele. Die Politik und die Zentralbanken würden sich in der Besetzung von Spitzenpositionen extrem häufig bei Goldman Sachs bedienen.
Das Goldman-Sachs-Netzwerk sei damit äußerst engmaschig. Keine andere Finanzinstitution komme hier ansatzweise an Goldman Sachs heran. Man verweise auf den ehemaligen US-Finanzminister Hank Paulson und seine enge Zusammenarbeit mit den Geschäftsbanken im Rahmen der "Working Group on Financial Markets" oder besser ausgedrückt dem Interventionsarm der US-Regierung, dem "Plunge Protection Team". Das gelte aber nicht nur für die USA. Nein, dieses Goldman-Sachs-Netzwerk sei international engmaschig.
Gekoppelt mit Computerhandelsprogrammen (gerade abhanden gekommen), die selbst laut Goldman Sachs Manipulation ermöglichen würden (und bisher weder NYSE und SEC beschäftigt hätten …), ergebe sich also bei dieser Bank die Frage, ob die Bezeichnung "Goldman Sachs" noch angemessen sei und nicht vielmehr "Government Sachs" sachgerechter wäre. Mit anderen Worten sei die Wahrscheinlichkeit, dass erhöhte Spielfreude der wesentliche Katalysator des Ergebnisses sei, tendenziell gering. Übrigens werfe dieser Status von Goldman Sachs Fragen bezüglich Kartellbildung auf. Dieser Status von Goldman Sachs werfe aber auch Fragen über die Qualität unserer Demokratie und des Systems von "Checks (und nicht Schecks) and Balances" auf.
