Ebay-Käufer klagt - und hat gute Chancen
Überaus sympathisch ist einem der Kläger nicht, doch das wird vor Gericht nicht ausschlaggebend sein. Ein Fußballfan aus Essen klagt gegen das WM-Organisationskomitee (WM-OK) des DFB auf Zustimmung zur Übertragung von zwei Karten. Die Tickets für ein Viertelfinalspiel in Gelsenkirchen ersteigerte er zum Preis von 880 Euro, ursprünglich hatten sie nur jeweils 55 Euro gekostet. Juristen räumen dem Ebay-Kunden vor dem Amtsgericht Frankfurt gute Chancen ein. Sollte er Recht bekommen, könnte dies weitere Käufer animieren, den Stadionbesuch auf diesem Weg einzuklagen.
Wolfgang Niersbach, Vizepräsident des WM-OKDer Hamburger Rechtsanwalt Dr. Mirko Wittneben von der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek hält die Weigerung des WM-OK die Tickets des Klägers zu übertragen für angreifbar. "Der Verkauf einzelner Fußballtickets von privat zu privat ist in Deutschland gesetzlich nicht verboten. Anders ist es beispielsweise in Portugal, wo ein solches Gesetz kurz vor der Fußball-EM 2004 eingeführt wurde."
Zweifelhaft sei daher laut Wittneben die Regelung in den Allgemeinen Ticketbedingungen des OK, wonach die Übertragung von Karten nur ausnahmsweise mit vorheriger schriftlicher Zustimmung möglich sein soll und das OK die Zustimmung verweigere, wenn Anhaltspunkte dafür bestehen, dass der Ticketinhaber die Weiterveräußerung des Tickets beabsichtigt. "Es gibt gute Argumente, dass diese Regelung den jeweiligen Ticketinhaber unangemessen benachteiligt und damit unwirksam ist."
RUND hat Wolfgang Niersbach, den Vizepräsident des WM-OK, exklusiv befragt, wie bei einer möglichen Niederlage vor Gericht, Nachahmer abgeschreckt werden sollen. Niersbach warnt: "Jeder, der bei Ebay eine Karte erwirbt, lebt mit dem Risiko, dass die Karte nicht echt ist. Über die Kriminalpolizei haben wir Kenntnis über einen Fall erhalten, wo ein Anbieter mehrere Käufer um insgesamt 40.000 Euro betrogen hat - angelockte durch gefälschte Reservierungs-Bestätigungen des OK. Auch in Brasilien und England sind schon klare Betrugsfälle aufgeflogen. Ein weiterer Höhepunkt ist, dass ein Reisebüro sogar Pressekarten angeboten hat!" Niersbach weiter zu RUND: "Wir wehren uns gegen jede Form des Schwarzmarkts, werden ihn aber trotzdem nicht völlig verhindern können - in Wimbledon gibt es ihn schon über 100 Jahre. Neu aber ist das Risiko. Denn jeder, der eine Karte hat und bei uns registriert ist, kann seine Karte über den integrierten Chip sperren lassen. Dies ist eine größere Abschreckung als jedes eventuelle Gerichtsurteil."