Aus der SZ von heute ![]()
Ralf Rangnick kontert Watzke-Äußerungen
HOFFENHEIM. Ralf Rangnick griff
beim gestrigen Pressegespräch im
Hoffenheimer Trainingszentrum
nach einem Zettel und ließ zum
morgigen Heimspiel-Gegner Borussia
Dortmund Zahlen sprechen. „Als
der BVB 2000 an die Börse ging, war
die Aktie elf Euro wert, heute nur
noch 92 Cent!“
Schnell könnte man nun zu der
Erkenntnis gelangen, der Fußballlehrer
wollte mit dieser Aktion wieder
einmal beweisen, dass er bei
Spielvorbereitungen kein Detail des
Gegners aus dem Auge lässt. Doch
Rangnicks „Spickzettel“ hatte einen
anderen Hintergrund: Das Verhältnis
beider Vereine ist nicht das Beste,
und der 1899-Coach wollte mit diesen
Zahlen die Entwicklung des
Ruhrpott-Vereins symbolisieren.
BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim
Watzke hatte auf der Jahreshauptversammlung
seines Vereins am
Dienstag Öl ins Feuer gegossen: „Es
darf nicht sein, dass die großen
Klubs wie Schalke, der HSV und wir
die Folklore abliefern und Klubs aus
Hoffenheim und Wolfsburg die Sahne
aus dem Thema lutschen.“
Watzke fordert, dass die Fernsehgelder
zukünftig anders verteilt werden.
Es müsse um eine „Verursacher-
Gerechtigkeit“ gehen, sprich:
Die Klubs, die aufgrund ihrer langjährigen
Erfolge eine höhere TV-Präsenz
genießen, sollen auch mehr abbekommen
von der Fernseh-Kohle.
Doch auch diesen verbalen Steilpass
nahm Rangnick gerne auf, indem er
auf eine Erhebung des Pay-TV-Senders
„Sky“ verwies, wonach die
Abonnenten dort nach dem FC Bayern
am liebsten die Spiele von 1899
Hoffenheim live ansähen. Auf die
Frage, ob diese Tatsache der attraktiven
Spielweise seines Teams geschuldet
sei, antwortete der 51-Jährige
mit einem süffisanten Grinsen.
Es ist Feuer in der morgigen Partie,
die ausverkauft ist. Da hilft es
kaum, dass der BVB-Chef vorgestern
mit einem „Offenen Brief“ daher
kam, in dem er die Borussia-Fans
auffordert, TSG-Mäzen Dietmar
Hopp fair gegenüberzutreten. „Ich
begrüße diese Aktion, doch sie wäre
nicht nötig gewesen“, sagte 1899-
Manager Jan Schindelmeiser, wohlwissend,
dass solche „Gesten“ meist
das Gegenteil bewirken. Das TSGHeimspiel
gegen die Borussia in der
letzten Saison war quasi der Ursprung
aller Anfeindungen gegnerischer
Fans gegen den Milliardär. Damals
hielt ein BVB-Fan ein Plakat mit
der Aufschrift „Im Fadenkreuz. Hasta
la vista Hopp“ hoch.