Deine letzte Aussage ist richtig. Bis vor einigen Jahren war es eine konsensorientierte politische Kultur, die eine solche uneingeschränkte Macht einer Partei verhindert hat. Der Verfall dieser Kultur begann lange vor Trump, vor allem seit Newt Gingrich Ende der 90er Sprecher der Repräsentantenhauses war. Der Verfall dieser "ungeschriebenen Regeln" ist gut dokumentiert von Steven Levitsky and Daniel Ziblatt, zwei Harvard-Politologen, in ihrem Buch "How Democracies Die".
Trump hat dies auf die Spitze getrieben, und die republikanische Partei, die sich ihm in einem Akt kompletter Selbstverleugnung unterworfen hat. Die Gazetten sind voll mit der Geschichte von Lindsay Graham, dem Senator aus South Carolina, der bis 2016 ein entschiedener Gegner von Trump war, sich aber zu einem Stiefellecker par excellence entwickelt hat und dabei jegliche Integrität über Bord geworfen hat.
Warum die Republikaner dies gemacht haben? Wahrscheinlich weil sie ursprünglich dachten, sie könnten Trump und seine Basis dafür nutzen, ihre eigenen Ziele durchzubringen (Steuererleichterungen für Billionäre, Deregulierung, Rückfahren des Umwelt- und Klimaschutzes, Besetzung der Gerichte mit extremen Konservativen). Sie haben das auch weitgehend geschafft, jedoch nicht ohne sich und ihre Werte komplett zu verleugnen. Es gab nur ganz wenige, die zumindest teilweise die Werte der republikanischen Partei hochgehalten haben und nicht blind Trump gefolgt sind, so wie McCain, Romney.
Die republikanische Partei ist inzwischen in den Händen Trumps und dominiert von Fanatikern und Konspirationstheoretikern. Selbst QAnon Anhänger gewinnen inzwischen Vorwahlen und haben gute Aussichten, in den Kongress gewählt zu werden.
Wenn die republikanische Partei wieder ein gesundes Gegengewicht gegen Demokraten werden soll, muss sie sich grundlegend von diesen Elementen reinigen. Nur eine vernichtende Wahlniederlage kann diesen Prozess beschleunigen (àhnlich der Labor Partei in UK).