Altersbedingt bin ich nun wirklich schon lange am Kapitalmarkt unterwegs mit vielen Blessuren in jungen Jahren (Bonus-Zertifikate, die geplatzt sind, Einzeltitel-Empfehlungen, die Quatsch waren, Ungeduld, zum Teil auch verursacht durch Bankberater in Zeiten, als die Provisionthemen noch viel versteckter liefen und die sich die Taschen voll gemacht haben durch Hin und Her der Kleinanleger).
Seit den frühen 2000er Jahren stecke ich im Prinzip alles, was frei wird, in einige ETF, jeweils unter der Prämisse, dass ich die Beträge in den nächsten 15 Jahren aller Voraussicht nach nicht für Konsum benötige. Damit bin ich sehr gut gefahren, du Feuerprobe war sicher 2008/2009, als ich alles einfach behalten habe, solche Erfahrungen zeigen einem dann, wie wichtig es ist, nicht vorschnell nervös auszusteigen.
Bei ETF entwickele ich in letzter Zeit aber zunehmend leichte Störgefühle. Denn der ETF Trend ist inzwischen wirklich ein Megatrend geworden, der ganz sicher auch Risiken/Nachteile hat:
- Die physisch nachbildenden ETF kaufen die Aktien im Wesentlichen für die Abbildung des jeweiligen Index. Dabei bleibt offen, ob und wie die mit den Aktien verbundenen Aktionärsrechte wahrgenommen werden. Negativ kann hier ein absolut passives Verhalten sein, negativ kann es aber auch sein, wenn einzelne große Vermögensverwalter via ETF viel Einfluss gewinnen.
- Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um zu befürchten, dass es Gruppen gibt, die gegen das System ETF arbeiten oder versuchen, sich die Schwächen zunutze zu machen, zum Beispiel durch Einflussnahme auf die verschiedenen Indizes und Insiderstraftaten. Im Zweifel gucken dann doch die Kleinanleger in die Röhre.
Aber ich will nichts beschreien: wer breit diversifiziert in Aktien, bestimmte Regionen oder auch bestimmte Märkte anlegen will, kommt an ETF nicht wirklich vorbei. Trotzdem würde ich immer versuchen, auch in Einzeltitel zu gehen, um diese dann dauerhaft zu halten. Maßstab sollte sein, dass man einigermaßen versteht, was die Firmen machen. Bei mir sind das in der Regel Konsumtitel mit unkaputtbaren Marken wie Colgate, Procter & Gamble oder Coca Cola, aber auch Pharma wie zB Novartis und Automotive, ja, auch deutsche Hersteller. .
Und zocken oder einem kleinen Hype hinterherrennen kann man natürlich auch mal, aber nur mit Beträgen, auf die man auch verzichten kann, da stimmt die Analogie zu Casino, macht halt Spaß. Ich habe zum Beispiel unter Corona HelloFresh gekauft (dort bin ich noch rechtzeitig rausgegangen, inzwischen wäre das sonst fast Totalverlust) und bei xspace habe ich auch mitgemacht, mal sehen, eventuell entwickelt es sich irgendwann Facebook-mäßig, rausgehen werde ich da jedenfalls jetzt nicht mehr wg der paar Kröten.
Also Phrasenschwein befülle ich nochmal wie folgt: Buy and hooold, nie alle Eier in einen Korb, hin und her macht Taschen leer, Zocken nur mit Beträgen, auf die man bereit ist zu verzichten. ![]()