“Waldhof kommt und die Alarmglocken schrillen“, schrieb der Kirchheimer „Teckbote“ in einer Vorschau für das Oberliga-Duell zwischen dem VfL Kichheim und dem SVW. Sportlich blieben die Glocken stumm. Zu mehr als einem mageren 1:1 (0:1) reichte es im Stadion an der Jesinger Allee nicht. Reule gelang zwar die frühe Führung für die Menze-Elf (14.). Die Platzherren kämpften leidenschaftlicher, kamen deshalb durch Andre Gonsior (89.) zum verdienten „Last-Minute“-Ausgleich.
Ohnehin galt der ausgelöste Alarm nicht den ideenlosen Kickern vom Alsenweg. Vielmehr ihren 300 mitgereisten Fans. Die blieben hinter dem eigens aufgebauten und 200 Meter langen Schutzzaun zunächst friedlich. Als aber Waldhof-Spieler nach dem Schlusspfiff wenigstens Courage bewiesen, sich für die müde Leistung entschuldigen wollte, verhinderten Beamte den Dialog, bauten sich vor dem Zaun auf, unterbanden das Abhängen der Fanbanner. Folge: Wortgefechte und kleinere Rempeleien. Zum Glück nicht mehr: „Es wäre gar nichts passiert. Die Maßnahme kam einem demonstrativ gesuchten Kräftemessen gleich“, ärgerte sich SVW-Fanbeauftragter Robert Schmitt.
Schutzzaun, Sicherheitsdienst, 60 Beamte (mit Hunde- und Reiterstaffel), geschulte VfL-Ordner und ein Gefängniswagen“ der – fast symptomatisch – vor dem SVW-Mannschaftsbus parkte. Wenn überhaupt, hätte nach der schwachen Leistung des SVW genügt, den Ein oder Anderen Akteur zum Thema „Berufsauffassung“ zu vernehmen.
„Absolut überzogen“, kritisiert Teambetreuer Bernd Helfmann den massiven Sicherheitseinsatz. Dem entgegnet VfL-Geschäftsführer Walter Rau: „Wir wollen ein Zeichen setzen, dass das Stadion keine Spielwiese der Gewalt ist.“ Zugegeben genießt der Waldhof-Anhang – öffentlich meist in Allgemeinheit genannt, obwohl nur ein paar Wenige ab und an für Ärger sorgen – nicht den besten Ruf. Doch viel hätte nicht gefehlt und die Beamten hätten mit ihrem überzogenen Dazwischenschreiten die Gegentribüne selbst zu genannter „Spielwiese“ umfunktioniert.
„Dass über die Presse vorher Recherchen von Polizei und Fanbeauftragten publik gemacht werden, ist ein Unding“, war Schmitt sauer: „Das kann genau das Gegenteil auslösen. Es ist doch klar, dass die Fans solche Zeilen als Provokation sehen.“ Da die Sicherheitsauflagen von der Polizei-Landeszentrale in Stuttgart kommen, wäre das Präsidium gefordert, den Dialog und Besserung zu suchen. Schon aus Imagegründen.
Roland Bode
(Sonntag aktuell, 26. August 2007)