Beim VfL Bochum ist nach dem Sieg gegen den Hamburger SV wieder einmal ein gemeinsames Essen angesagt. Dafür sorgt ein Brauch beim Club aus dem Ruhrpott.
Gewinnt ein Spieler gegen seinen Ex-Club, muss er das gesamte Team einladen. Nach dem 2:1 gegen den HSV erwischte es Marcel Maltritz. "Dafür zahle ich gerne", sagt der Abwehrchef.
Auch Marcel Koller freut sich auf dieses Treffen. Die Integration der neuen Spieler dürfte sich beim Zusammenkommen seiner Schützlinge besonders gefördert werden. Zehn neue Spieler holte der VfL, zehn verschiedene Individuen, die in eine Mannschaft eingegliedert werden müssen.
"Es funktioniert prima"
Der Saisonstart mit sieben Punkten aus drei Spielen zeigt, dass der Prozess der Integration beim VfL schon sehr weit fortgeschritten ist. "Die Mannschaft funktioniert schon prima, viel besser als eigentlich erwartet", sagt Maltritz.
Beim Sieg gegen Hamburg standen mit Jan Lastuvka, Marc Pferztel, Danny Fuchs und Stanislav Sestak vier Neuzugänge in der Startelf. Gerade Sestak war gegen die Hanseaten ein ständiger Unruheherd und markierte in der 45. Minute das 1:0. Lastuvka machte seine Sache im Tor gut, Pferztel spielte hinten rechts wie ein "ewiger" Bochumer.
Die Ära nach Gekas und Co.
"Bei unseren Verpflichtungen haben wir wohl ein gutes Auge gehabt. Normalerweise kosten die Millionen", sagt Trainer Koller mit einem Lächeln. Und auch Sportdirektor Stefan Kuntz hat allen Grund, zufrieden zu sein: Sein Ziel, den VfL Bochum personell breiter aufzustellen, hat er gemeinsam mit Trainer Koller erreicht.
Koller und Kuntz ist die Erleichterung über die erfolgreiche Personalpolitik deutlich anzumerken. Als im Sommer Spieler wie Theofanis Gekas, Zvjezdan Misimovic oder Jaroslav Drobny den Club verließen, wurde der VfL von vielen Experten als Absteiger Nummer 1 gehandelt.
"Man hofft natürlich, dass ein Spieler, der sich gut entwickelt, im Verein gehalten werden kann, doch in der Realität ist das fast Utopie", sagt Koller, der Gekas in Richtung Leverkusen, Misimovic nach Nürnberg und Drobny in die Hauptstadt nach Berlin ziehen lassen musste.
Der Podolski-Entdecker
Doch der Schweizer ließ den Kopf nicht hängen und suchte gemeinsam mit Sportdirektor Kuntz akribisch nach Alternativen. Ein Auge auf gute Spieler hat Koller ohnehin. Das bewies er bei seiner ersten Station in Deutschland. Mit dem 1.FC Köln stieg der 45-Jährige 2004 zwar ab, aber präsentierte Fußball-Deutschland erstmals ein Top-Talent namens Lukas Podolski.
"Diese Entwicklung geht nicht von heute auf morgen. Das ist wie in der Schule. Man muss sich kontinuierlich steigern, versuchen Dinge umzusetzen", sagt Koller über seine Entdeckung. Lernfähige Spieler, die sich vor der Initiative nicht fürchten, formt er nun auch in Bochum. Koller als Entwicklungshelfer.
Das Trio in der Offensive
"Die Verantwortung muss auf verschiedene Schultern verteilt werden." Die Vorstellungen des 45-Jährigen werden schon fleißig umgesetzt. Sestak und der Kameruner Joel Epalle sorgen für die Dynamik, Tommy Bechmann für Durchschlagskraft und Tore - drei Mal traf der Däne in drei Spielen.
"Es passt im Moment und so können wir weiterfahren", sagt Koller. Zwischen Freitagnacht und Samstagmittag war der VfL Spitzenreiter der Bundesliga. Wenn es so weitergeht, stehen im Hause Maltritz und Co. noch einige Mannschaftsabende an.
Und vielleicht ist dann auch mal Marcel Koller an der Reihe, "einen auszugeben". Eine Vereinbarung mit der Mannschaft besagt: Erzielt das Team in einem Spiel innerhalb der ersten fünf Minuten einen Treffer, muss Koller seine Schützlinge zum Essen einladen. Bleibt abschließend nur zu sagen: Guten Appetit, VfL Bochum!
Quelle: Bundesliga.de